Eine Nacht auf dem Seegrund

Text: Manuel & Mario Stecher

Paddelbretter mussten wir dank des Wagens nicht umher tragen.

 

Rückblickend können wir einem jeden diese tolle Tour auf dem Seegrund empfehlen! Egal ob zu Fuß auf den Spuren der Via Claudia Augusta oder stehend paddelnd auf einem Board. Der Forggensee hat trotz fehlendem Wasser jede Menge zu bieten und ist immer eine Entdeckungsreise Wert.

 

Ausgangspunkt für unsere Fotoserie samt Biwakcamp war die Illasbergschlucht am Tiefental im Forggensee.

Einer Sage zufolge hauste in diesem Tal ein Drache der die römischen Reiter mit seinem grausigen Atem verjagte und Ihre Pferde als lebende Beute behielt. Hin und wieder verspeiste er eines der Pferde und spießte die Köpfe auf die Bäume des Tiefentals. So kam es das die nahe Gemeinde »Roßhaupten« ihren Namen aus der Sage erhielt.

Am nächsten Morgen ging es von der Illasbergschlucht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weiter nach Dietringen in Richtung Yachtclub mit Blick auf die Königsschlösser.

Bild: Martin Zurek

Bild: Willi Roth

Bild: Willi Roth

Der Forggensee ist ein vom Lech durchflossener Stausee in der Nähe von Füssen im Königswinkel im bayerischen Allgäu. Er ist der größte Stausee Deutschlands und fünftgrößter See Bayerns.

 

Seinen Namen hat er vom ehemals überfluteteten Weiler Forggen. Der um 1954 errichtete Staudamm wird aktuell aufgrund von Schäden und Schwachstellen für rund 20 Millionen Euro saniert. In deiner Mitteilung des Betreibers heißt es: „Ohne ausreichende Stabilität ist die Sicherheit des Damms nicht gewährleistet und ein Aufstau nicht möglich."

 

Der Forggensee wurde aus diversen, wichtigen Gründen angelegt. Er dient zum einen der Stromerzeugung und als Kopfspeicher der Lechabwärts gelegenen Wasserkraftwerke, zum anderen zur Regulierung des Lech-Hochwassers nach Einsetzen der Schneeschmelze, also zum Hochwasserschutz, zur Niedrigwasseraufhöhung und zur Regulierung des Donau-Wasserstandes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Tourismuswirtschaft in der Region um Schloss Neuschwanstein klagt aktuell über große Einbußen, weil Urlauber auf das Baden und Schiffsfahrten auf dem See verzichten müssen.

 

Für uns Stand Up Paddler entstand hier jedoch eine kuriose, karge Mondlandschaft mit einzigartiger Kulisse. Der See macht mit seinen wenigen kleinen Becken und dem Lech der ihn durchfließt einen tristen Eindruck. Doch der trockene Seegrund erlaubt einen spannenden Blick auf eine untergegangene Welt. Denn auch geschichtlich ist der See von großer Bedeutung und gleicht einer Zeitreise auf den Seegrund. Durch den See führt(e) eine alte Römerstaße, die "via Claudia Augusta", die eine wichtige Handelsverbindung von Süd nach Nord war. Sie führte von Venedig über den Reschenpaß nach Augsburg. Noch heute finden sich Spuren und Überreste aus längst vergangener Zeit am Seegrund die man bei geführten Touren besichtigen kann.

 

Grund genug für uns sich die Sache einmal genauer anzusehen! Wir wollen hier Geschichte mit der Kunst des Fotografierens und dem aktuellen Ereignis des leeren Sees verknüpfen.

 

Für unser Vorhaben, eine Nacht im Biwak auf dem Seegrund des Forggensees zu verbringen, hatten wir bereits alle nötigen Vorkehrungen getroffen und so waren Isomatten, Schlafsäcke, Biwaksäcke, Grill, Fleisch und Würstel und natürlich gute Laune im Gepäck.

Das Kernziel unserer Unternehmung war es, den Sternenhimmel und die einzigartige Kulisse des Seegrunds so gut wie möglich wie unserem Sport, dem Stand Up Paddling, auf Bildaufnahmen zu vereinen. Zwischen 23:30 Uhr und 1 Uhr war die Milchstraße dann ganz deutlich zu erkennen und wir hatten einen klaren Sternenhimmel der uns ein unglaubliches Fotoshooting ermöglichte.

Die wahre Herausforderung bestand des nachts beim Fotografieren darin, sich so wenig wie möglich zu bewegen, um für die nötige Belichtungsdauer ein möglichst brauchbares Bild zu bekommen. Was sich an Land als relativ einfach erwies, wurde auf dem Wasser stehend auf unseren SUP´s eine wahre Herausforderung! Trotz Windstille war das Wasser ständig in Bewegung und unsere Bretter zogen still über die Oberfläche. Selbst die kleinste Erschütterung machte zunächst brauchbare Bilder zunichte. Doch mit viel Geduld gelangen uns, dank professioneller Unterstützung aus unserem Fotografenteam um Martin Zurek (51) aus Irsee und Willi Roth (32) aus Kaufbeuren, einmalige Bilder

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die es in dieser Form und Location zuvor noch nicht gegeben hat.

 

Eine triste, surreale Welt auf dem Seegrund des Forggensees, im Hintergrund die Milchstraße, wir auf unseren SUP-Boards im Vordergrund und das alles auf einem Foto festgehalten - die perfekte Nachtaufnahme auf dem Grund eines Sees der zum ersten Mal seit 64 Jahren im Sommer ausgelassen ist war gelungen!

 

Motivation und Stimmung waren bestens! Man verbringt ja nicht alle Tage die Nacht auf dem Seegrund, und so kam es, dass wir bis tief in die Nacht Fotos machten und erst um 2Uhr morgens in unsere Schlafsäcke krochen.

Es war ein tolles Gefühl unter freiem Sternenhimmel zu schlafen! Selbst ein kurzer Regenschauer, der morgens um 3 Uhr über uns hinweg zog, konnte uns nicht von unserem Vorhaben abbringen die Nacht ohne Zelt im Freien zu verbringen. Am kommenden Morgen wurden wir mit Sonnenstrahlen und blauem Himmel belohnt, nur einzelne Gewitterwolken zogen über uns hinweg und boten uns erneut eine unglaubliche Kulisse und weitere tolle Perspektiven zum Fotografieren.

 

Mit Hilfe eines faltbaren Handwagens eine Art Leiterwagen auch genannt »Reacha« war es uns möglich unser komplettes Equipment von Spot zu Spot zu bringen ohne unnötige Fußmärsche auf uns nehmen zu müssen oder kniehoch im lehmigen Boden zu versinken. Auch unsere

Bild: Martin Zurek

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